Malerei ist, für mich jedenfalls, Projektarbeit. Die Idee oder der Auftrag steht am Anfang. Es ist im Detail unwesentlich, um welche Art der Darstellung es sich handelt. Als Erstes wird die Grösse und das Format der Leinwand festgelegt. Im gezeigten Falle wird das Format 2-teilig ausgeführt. Zwei mal 50 x 100 cm mit 2 cm Zwischenraum. Gerade bei grösseren Formaten unbedingt auf gute Spannrahmen achten, damit sich das fertige Werk nicht schon nach kurzer Zeit beginnt zu verziehen! Ich empfehle generell etwas mehr für eine bessere Qualität auszugeben. Das gilt auch für die Farben, bei denen verschiedene Kriterien zu bemessen sind, insbesondere aber die Lichtechtheit und das Mischverhalten.

Der Auftrag in diesem Falle lautete"Berglandschaft mit Morgenrot, weite Sicht und wenn möglich Schweizer Fahne im Bild sichtbar". Ein Cliché also, das es gilt umzusetzen. Klingt einfach, ist es aber nicht unbedingt. Es gilt Tiefe zu schaffen bei gleichzeitig panorama-ähnlichen Abmessungen. Durch beimischen eines Blautones ergibt sich Tiefe. Mit Abmischungen des Grundtones werden erste Strukturen der Landschaft erzeugt. Der Grundstein ist gelegt, in jeder weiteren Phase der Arbeit muss man sich vorantasten. Bei grossen Formaten ist es wichtig, sich immer wieder den Überblick über das Gesamte zu verschaffen, da man beim Arbeiten zu nahe am Objekt ist.

Im nächsten Schritt werden nebst Vordergrund und zweiter Ebene erste Strukturen gesetzt, an ihnen orientiert sich der weitere Bildaufbau. Man kann sich vorgängig Skizzen anfertigen, in dieser Grösse aber zeigt sich die Wirkung eigentlich erst in der 1:1-Ansicht, weshalb eine gewisse Erfahrung für solche Projekte nötig ist. Wichtig ist auch, dass die aufgetragene Farbe jeweils gut durchgetrocknet ist, da sonst unerwünschte Reaktionen mit dem Untergrund das Werk zerstören können. Anders ist das bei der "nass-in -nass"-Technik, welche aber hier nur beim Morgenhimmel zur Anwendung kommt. Durch Abmischung wird eine Harmonisierung der Farben erreicht. Dies erfordert ebenfalls einige Erfahrung. Ich empfehle Anfängern deshalb eine Einführung in die Farbenlehre, welche ich anbiete. Es ist spannend zu wissen, dass es Farben eigentlich gar nicht gibt! Lassen Sie sich überrachen.

Nun "schneien" wir ein wenig! Der Vordergrund wird in der Intensität gebrochen, die Schneefelder im Hintergrund werden in der Helligkeit etwas angepasst. Es ist ein Leben auf dem Bild, nichts ist fix bis zum Finish. In jeder Phase des Bildes muss die Farbenharmonie überprüft und angepasst werden. Es ist wichtig, nie die Kernaussage eines Werkes aus den Augen zu verlieren, diese ist von Anfang an definiert. Man sollte aber immer offen sein für Korrekturen, diese sind ein Bestandteil der Projektarbeit. Das Faszinierende am Malen, generell am kreativen Arbeiten, ist die Mischung aus Zielverfolgung und dem Offensein gegenüber Möglichkeiten, welche sich im Verlaufe der Entstehung ergeben. Der geübte Maler weiss diese Mischung gekonnt zu nutzen und reagiert flexibel auf das "Feedback" des Bildes.

In einem nächsten Schritt werden nun die tragenden Elemente der dritten Ebene gesetzt. Sie sind die "Marker" im Vordergrund und geben dem Bild die Substanz. Hier kommt nun auch der genannte "Schablonentrick" zum Einsatz. Die Schweizerflagge bei der Berghütte sowie der Wanderwegweiser. Dieser und die Tanne im Vordergrund sind die einzigen Elemente, welche die Ruhe des Morgenhimmels "stören". Das schafft ein optisches Gegengewicht zur Berghütte und den intensiv leuchtenden Schneefeldern im Hintergrund der linken Bildhälfte. Da solche Farbaufträge schon nach kurzer Zeit nicht mehr zu entfernen sind, arbeite ich mit Schablonen. Wie man gut sehen kann, habe ich diese einfach am vorgesehenen Platz befestigt und dann auf mich wirken lassen. Nach dem Entscheid wird der Platz mit einer Hintergrundfarbe markiert (nächstes Bild).

Das Holz der Hüttenwand, ein wichtiger Akzent in der linken Bildhälfte, wird gesetzt, Tannen beschneit und die Details ausgefärbt. Es empfiehlt sich, jeweils genügend Zeit zur Trocknung der Farbe zu geben, da gerade auf kleinen Flächen Fehler gravierend sein können und diese eine ganze Menge Arbeitsaufwand zunichte machen.

Als letzter, finaler Arbeitsschritt werden die Schatten gesetzt und den Bäumen durch Einfärbung der dem Licht abgewandten Seiten Volumen verpasst. Das sollte mit einigem Schwung geschehen, da es sonst steif wirkt. Einige wenige Details, kritisch überprüfen und wenn definitiv nichts mehr geändert wird (und erst dann) das Bild signieren. FERTIG!


Es ist klar, dass dies kein Projekt für Anfänger ist! Es soll einfach animieren für den Start, um vielleicht eines Tages selbst etwas in dieser Art zu schaffen. Geduld ist auch Kunst!


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